Mailinglisten und ihre Benutzung
Bei der Benutzung von Mailinglisten kann man neben technischen Problemen in viele Fettnäpchen treten und sich das Leben recht schwer machen.
Der Artikel gibt technische Hilfestellungen und Tipps für das eigene Verhalten in Mailinglisten. Auch für Betreiber von Newslettern und Mailinglisten sind einige Hinweise enthalten.
Informationen zu Electronic Mail können Sie unter anderem hier finden:
E-Mail Einführung
Electronic Mail: Frequently Asked Questions
Electronic Mail Etiquette
Inhalt
Was sind Mailinglisten?
Wie trage ich mich ein und aus?
Aktive Teilnahme an Mailinglisten
Vermeidbare Fehler
Lösung technischer Probleme
Literatur zu Mailinglisten und Email
Zum Thema passende Links
Was sind Mailinglisten?
Mailinglisten sind Verteiler für elektronische Post (Email). Sie können Sie sich ebenso vorstellen, wie die Verteiler die Sie vielleicht aus dem Büroalltag kennen.
Es gibt eine Liste von Empfängern, die eine Nachricht erreichen soll. Bei Mailinglisten erfolgt die Zustellung per Electronic Mail.
Mailinglisten können nach der Art ihrer Nutzung sowie nach den in ihnen geltenden Regeln (Policy) klassifiziert werden.
Nutzungsarten:
Im wesentlichen kann hier zwischen Listen von Newsletter-Typ und Diskussionslisten unterschieden werden.
Newsletter sind zum Beispiel Firmen-Informationen, regelmäßige Informationen über Produkt-Neuerungen oder Updates auf Webseiten. Ein klassisches Beispiel ist die Mailingliste der Apache-Week. Typischerweise gibt es bei solchen Listen nur einen einzigen Nutzer (oder einige wenige), der Informationen über die Liste an alle Empfänger verschicken kann.
Diskussionslisten stehen normalerweise jedem offen. Solange keine Zugangsbeschränkungen (s.u.) vorhanden sind, kann jeder, der in der Lage ist, eine Email abzusetzen, Nachrichten in die Mailingliste einspeisen. Vom Verhalten her ähneln diese Listen stark den Usenet-Newsgruppen (siehe Link-Seite), auch wenn sie technisch völlig verschieden funktionieren. Eine Menge von Mailinglisten (meist englischsprachig) können Sie auch im World Wide Web archiviert finden, so daß sie sich vor dem Abonnement erst einmal einen Überblick verschaffen können.
Den folgenden Abschnitt zu Regeln (Policies) können Sie überspringen, wenn Sie an technischen Details nicht sonderlich interessiert sind.
Regeln / Policy:
Hier gibt es die unterschiedlichsten Facetten. Eine (sicher nicht komplette) Auswahl:
Wer darf Nachrichten an die Liste senden?
jeder, der Email versenden kann (offene Liste)
nur eingetragene Listenmitglieder (geschlossene Liste) - eventuell können Mitglieder auch unter anderen (zusätzlichen) Adressen schreiben
jeder, dessen Nachricht von einem Moderator zugelassen wird (moderierte Liste)
Wer darf sich in die Liste eintragen (und wie)?
jeder
jeder mit Kontrolle durch eine zu bestätigende Kontroll-Mail - dadurch werden gefälschte Eintragungen verhindert, die für den Betroffenen sehr ärgerlich sein können
Eintragung muß durch Moderatoren oder den Listeneigentümer bestätigt werden
Eintragung erfolgt von Hand durch den Listeneigentümer
Wie müssen Nachrichten an die Liste aussehen und wie wird mit nichtkonformen Nachrichten verfahren?
alles ist erlaubt
ASCII-Text bzw. MIME-Format
HTML- bzw. RichText-Format
nichtkonforme Nachrichten werden von den Mitgliedern angemeckert - meist ein sehr unerfreulicher und langwieriger Vorgang
nichtkonforme Nachrichten werden automatisch abgewiesen bzw. nichtkonforme Nachrichtenteile (multipart/alternative, ms-tnef, vcards, ...) werden automatisch entfernt
Sonstiges:
Bounce-Behandlung automatisch oder von Hand
Reply-To: unverändert lassen oder auf die Liste setzen (siehe Link-Seite)
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Wie trage ich mich ein und aus?
Da Mailinglisten in der Regel oft bestellt bzw. wieder abbestellt werden (zum Beispiel vor/nach dem Urlaub, bei Adreßwechsel usw.), werden die meisten Mailinglisten durch automatisierte Systeme verwaltet. Sehr weit verbreitete Systeme sind
ListServ von der Firma L-Soft (kommerziell)
Diese Software ist sehr ausgereift und schon lange im Einsatz. Die größten Mailinglisten werden mit dieser Software verwaltet.
Majordomo - ein freier und sehr weit verbreiteter Listen-Manager - geschrieben in Perl
Meine Empfehlung: ezmlm - der Mailinglistenmanager zum qmail-MTA
Dieser Listenmanager ist klein, schnell und beseitigt völlig die Notwendigkeit des Bounce-Handlings. Jeder Nutzer auf dem ezmlm-Rechner kann ohne Hilfe des Systemadministrators seine eigenen Mailinglisten anlegen. Wie viele gute Programme ist ezmlm Freeware. Frederik Lindberg und Fred B. Ringel haben zu ezmlm die Erweiterung ezmlm-idx geschrieben, die eine Menge neuer Möglichkeiten hinzufügt. Inzwischen wird diese Software von Bruce Guenther weiterentwickelt.
Mailman - der Listenmanager der Free Software Foundation geschrieben in Python
Es gibt noch eine ganze Menge anderer Mailinglistenmanager. Auch die Verwaltung von Hand ist teilweise noch anzutreffen - vor allem bei sehr kleinen Listen.
Gerade im Web-Bereich gibt es auch andere Systeme, die nur über den Browser gesteuert werden. Ein gutes Beispiel sind die Newsletter der Galileo Press GmbH, die eine hierarchische Zuordnung der Interessengebiete zu ihren Newslettern vornimmt.
Um zu sehen wie das funktioniert, wählen Sie links im Menü den Eintrag Newsletter - keine Angst, Sie können sich jederzeit wieder abmelden (siehe auch Datenschutz).
Abzulehnen ist die Verteilung von Informationen über Carbon Copy ("Cc:") aus dem Mail-Programm eines Users heraus. Dadurch werden jedem Empfänger der Liste alle anderen Listenmitglieder offengelegt. Das gilt auch für die Benutzung von Bcc:, da zum Beispiel das sendmail-Programm bei Zustellfehlern die Bcc:-Empfänger-Liste in der Fehlermeldung offenlegt.
Leider wurde/wird dieses Verfahren durchaus von unerfahrenen Mail-Administratoren eingesetzt, zum Beispiel bei einer bekannten deutschen Computerzeitschrift.
Bestätigungsnachrichten
In den guten alten Tagen der Computernetze, als sich noch die meisten Leute untereinander kannten und auch in den Zeiten danach, als ungeschriebene Regeln noch als "für das reibungslose Funktionieren von Netz-Kommunikation notwendig" akzeptiert waren, war es kaum notwendig, Mailinglisten vor Mißbrauch zu schützen. Wichtig war die technische Absicherung von Funktionalität, zum Beispiel zu garantieren, daß Fehler nicht zum Überlaufen einer Mailingliste führen.
Die heutige Situation ist völlig anders. Die Vielfalt der Netz-Nutzer ist (bis auf wenige Randgruppen) heute so groß wie im "richtigen" Leben.
Es gibt wie überall Leute, die sich als Vandalen und Terroristen wohlfühlen oder aus Mißbrauch auch finanziellen Vorteil ziehen wollen. Da Mail unheimlich leicht zu fälschen ist, müssen Mailinglistenbetreiber Maßnahmen ergreifen, die Mißbrauchsmöglichkeiten einschränken.
Die einfachste und auch wichtigste Maßnahme ist die Anforderung einer Bestätigungsnachricht vom Nutzer, wenn er sich in eine Liste ein- oder aus dieser austrägt. Das Verfahren wird auch als double opt-in bezeichnet.
Diese Mail sollte nicht leicht zu fälschen sein, zum Beispiel, indem die Kenntnis eines Geheimnisses vorausgesetzt wird. Das kann die Bestätigungsadresse sein, an die man als Nutzer antworten muß oder auch einfach ein Paßwort. Dieser Vorgang sollte mit einer Zeitbeschränkung versehen sein, so daß diese Geheimnisse nach einiger Zeit verfallen. Dadurch können diese nicht noch zu späterer Zeit mißbraucht oder ausspioniert/ausgerechnet werden. Der Listenmanager Majordomo hat zum Beispiel in diesem Bereich einige Schwächen.
Die Anforderung einer Bestätigungsnachricht durch den Mailinglistenmanager stellt wegen der vielfältigen Mißbrauchsmöglichkeiten bei Mail ein absolutes Muß dar. Weisen Sie den Listeneigentümer darauf hin, wenn er seine Liste nicht entsprechend konfiguriert hat.
Auch Vertreter der Werbeindustrie in Deutschland empfehlen double opt-in als vernünftigstes Verfahren, auch wenn es bis zu dieser Einsicht lange gedauert hat und diese aus reinen Effizienzgründen zustande gekommen ist.
Übliche Steuerungsadressen
Für die zu benutzenden Steuerungsadressen gibt es übliche Werte, die eine (nicht unbedingt eingehaltene) Konvention darstellen. Die im folgenden genannten Adressen sind auf jeden Fall bei ezmlm zu finden, bei Majordomo-Listen meistens nicht. Bei ListServ-Listen gibt es diese Adressen meiner Erfahrung nach gar nicht.
Für eine hypothetische Mailingliste liste@example.com sollten folgende Adressen existieren:
liste-subscribe@example.com
Adresse, die zum Anmelden an der Mailingliste benutzt wird.
liste-unsubscribe@example.com
Adresse, die zum Abmelden von der Mailingliste benutzt wird.
liste-help@example.com
Hilfe anfordern
liste-owner@example.com
Über diese Adresse können Sie direkt Kontakt mit dem Verwalter der Mailingliste aufnehmen. In der Regel sind die Verwalter freundliche, kompetente und hilfsbereite Leute, solange sie freundlich angeschrieben werden. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Beachten Sie, daß es durchaus einmal zu längeren Reaktionszeiten kommen kann, wenn der Listenverwalter nicht da oder zeitlich überlastet ist.
Unter Umständen wird auch owner-liste@example.com benutzt.
liste-request@example.com
Diese Adresse wird vom Mailinglistenmanager Mailman zur Steuerung benutzt. Manchmal wird sie auch zur manuellen Verwaltung, von Mailinglisten verwendet.
majordomo@example.com
Bei Majordomo-gesteuerten Mailinglisten ist dies die zentrale Steuerungsadresse, über die alle Kommandos an Majordomo geschickt werden. Die weiter oben genannten Adressen erzeugen bei diesen Listen in der Regel nur eine Antwort, die den Hilfetext für Majordomo enthält.
listserv@example.com
Bei ListServ-gesteuerten Mailinglisten ist dies die zentrale Steuerungsadresse, über die alle Kommandos an ListServ geschickt werden.
Die ezmlm-Besonderheit:
Der traditionelle Weg, einen Listenmanager über Kommandos zu steuern, wurde bei ezmlm verlassen - die Steuerung erfolgt allein über die angeschriebenen Adressen. Sie brauchen also bei ezmlm weder einen Betreff angeben, noch irgendetwas in die Mail schreiben, da diese Angaben vollständig ignoriert werden.
Steuerungskommandos von Majordomo und ListServ
Majordomo:
Eine übersetzte Version der Kommando-Erklärung kann man sich bei majordomo@baltic.de anfordern. Die Übersetzung ist zwar schon etwas älter, aber prinzipiell noch aktuell.
Wichtig: die Kommandos müssen im Textteil der Nachricht stehen. Die Betreffzeile wird von Majordomo ignoriert.
help
Anforderung des Hilfetextes
subscribe liste
Eintragen des Absenders in die Mailing-Liste liste
Es ist auch möglich, eine andere Adresse einzutragen, indem man sie nach dem Listennamen angibt (diese Variante führt zu einer Überprüfung, ist also nicht geeignet, jemanden zu ärgern).
Beispiele:
subscribe privatsphaere
subscribe hasenfutter bunny@vordemwald.wiese.de
unsubscribe liste
Abmelden von der Liste. Auch hier kann eine andere Adresse nach dem Listennamen angegeben werden (wird überprüft, also nicht geeignet, jemanden zu ärgern).
lists
Listet alle von dem Server verwalteten Mailinglisten auf.
which
Gibt eine Liste der Mailinglisten aus, in die man eingetragen ist.
info liste
Sendet eine Beschreibung der Mailingliste liste. Diese Beschreibung sollte das Thema der Liste sowie geltende Regeln (Policy) enthalten.
Hat der Listenverwalter keine Beschreibung angelegt, fordern Sie ihn bitte dazu auf. Eine vorhandene Beschreibung fördert die Effizienz bei der Informationssuche und beugt Problemen vor, die durch verschiedene Auffassungen zum Anliegen der Liste zwischen den Nutzern entstehen können. Die Beschreibung bietet auch dem Listeneigentümer die Sicherheit, bei Problemen bestimmte Nutzer mit einer sachlichen Begründung von der Nutzung der Liste ausschließen zu können.
who liste
Diese Funktion gibt eine Liste der Teilnehmer-Adressen der Mailingliste liste aus. Wegen des ständig steigenden Volumens von Spam sollte diese Funktion unbedingt abgeschaltet werden. Mailinglisten sind eine beliebte Adreßquelle für Spammer. Bedenken Sie aber, daß Mailinglisten auch sehr oft archiviert werden und auch nach Jahren noch zugänglich sind. Ihre Adresse wird bekannt sobald Sie Mails an eine Liste schreiben, auch wenn die Funktion who abgeschaltet ist.
ListServ:
Eine englische Dokumentation zu ListServ ist bei L-Soft verfügbar. Diese enthält neben vielen Beispielen und der Beschreibung der Kommandos auch eine Diskussion der verschiedenen Eigenschaften von Mailinglisten im Allgemeinen.
Info topic | listname
Eine Beschreibung der Listenkommandos oder einer Mailingliste anfordern.
Lists Detail | Short | Global
Beschreibungen zu allen Listen anfordern (in verschiedenen Formaten)
SUBscribe liste <voller Name>
Eintragen in die Mailingliste liste. Zusätzlich kann man seinen vollen Namen angeben.
SIGNOFF liste
Abmelden von der Mailingliste liste
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Aktive Teilnahme an Mailinglisten
Beachten Sie bitte die generelle Grundregel, die auch im Usenet gilt: lesen Sie erst einmal eine Weile mit, wie der Ton in der Liste ist, wer sich vielleicht schnell provoziert fühlt und welche Themen vielleicht schon hundertmal abgehandelt wurden und nur noch jeden nerven.
Haben Sie das Gefühl, daß Sie jetzt in der Mailingliste durchaus etwas beizutragen haben, können Sie es ruhig wagen, Ihre erste Mail abzuschicken. Sie sollten dabei die auch im Usenet üblichen Gepflogenheiten einhalten (die auf der Link-Seite zu finden sind).
Einige wichtige Punkte hier noch einmal zur schnellen Übersicht:
Seien Sie höflich und äußern Sie nur das, was Sie jemandem auch von Angesicht zu Angesicht sagen würden!
Halten Sie sich an das Thema der Liste! Sollten sich Fremdthemen (Offtopics) oder Streit innerhalb einer Diskussion entwickeln, versuchen Sie das in die private Kommunikation mit Ihrem "Gegner" zu verlagern!
Manchmal wirkt es Wunder, jemanden auch mal anzurufen und ein Thema direkt abzuhandeln. Oft liegt nur ein Mißverständnis vor.
Erst lesen, dann denken, dann schreiben!
Dann noch einmal lesen, noch einmal denken und eventuell neu schreiben!
Überlegen Sie immer, ob Ihr Beitrag die gesamte Liste interessiert, oder vielleicht eine gezielte Mail an eine oder zwei Personen besser geeignet ist. Auf einer Party unterhalten Sie sich auch mit einigen anderen Gästen, anstatt sich auf den Tisch zu stellen und zu schreien, damit unbedingt jeder mitkriegt, was sie zu sagen haben.
Lernen Sie korrektes Zitieren!
Zitate aus der Ursprungsmail sollten Sie nur so weit verwenden, daß deutlich wird, auf welche Punkte der Ursprungsmail Sie sich beziehen. Vermeiden Sie, Zitate aus ihrem Zusammenhang zu reißen. Je ein Beispiel für korrektes und falsches Zitieren können Sie im nächsten Abschnitt finden.
Drücken Sie sich klar aus. Viele Leute sind nicht in der Lage, Polemik, Sarkasmus und ähnliches zu erkennen.
Wählen Sie einen Betreff, der das Kernthema Ihrer Mail ausdrückt - viele Mails werden einfach nicht gelesen, weil der Betreff nicht gut gewählt wurde.
Wechsel des Betreffs können Sie kennzeichnen, indem Sie den alten Betreff hinter dem neuen einsetzen. Als Konvention hat sich eingebürgert, die beiden Betreffs mit dem englischen was: ("war") zu trennen. Beispiel:
Subject: Schulsystem (was: unsere Schulprobleme)
Der alte Betreff kann dann nach kurzer Zeit entfernt werden.
Schalten Sie alle Mätzchen in Ihrem Mail-Programm ab (vcards, HTML, RTF, überlange Zeilen, 8Bit-Zeichen in Headern, ms-tnef-Anhänge, ...), es sei denn die Liste erlaubt das ausdrücklich.
Standard für Mail an große Nutzergruppen ist eine Zeilenlänge von 75 Zeichen und die Benutzung von ASCII. Andere Zeichenkodierungen müssen über korrekte MIME-Header deklariert werden.
Die in Ihrem Nachrichteneditor und Nachrichten-Anzeigefenster eingestellte Schrift sollte nicht proportional sein, da damit Tabellen und Einrückungen unbrauchbar gemacht würden.
Korrigieren Sie den eingedeutschten Blödsinn, den vor allem Microsoft-Mailprogramme in die Betreff-Zeile setzen (einige andere Programme machen das auch).
Mailprogramme benutzen Konventionen, die dafür sorgen, daß die Betreffzeilen nicht ständig anwachsen: steht zum Beispiel am Anfang des Betreffs schon ein Re: (Reply=Antwort) und man antwortet darauf, wird nicht erneut ein Re: eingesetzt. Die Eindeutschung, die Microsoft vornimmt, führt zur Verletzung dieser Konvention und es entstehen so wunderhübsche Betreffzeilen wie die folgende:
Subject: Re: AW: Re: AW: Re: AW: Re: AW: Re: AW: Microsofts bad ideas about localization
Man kann diese sich selbst aufblähende Zeile natürlich von Hand kürzen - besser ist es, ein eingesetztes AW: vor einem Re: gleich zu löschen.
Beachten Sie die geltenden Gesetze. Das Netz ist kein rechtsfreier Raum.
Prüfen Sie Ihre Rechtschreibung und Grammatik. Andere Personen können Sie nur nach dem beurteilen, was sie schreiben.
Niemand schreibt perfekt, Fehler gibt es immer. Aber wenn man in einer Zeile über fünf Fehler stolpert, wird man das Lesen sicher schnell abbrechen.
Es wären noch viele Punkte zu nennen - um es kurz zu machen beschränke ich mich auf diese.
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Vermeidbare Fehler
Ich will Ihnen keinweswegs die Lust nehmen, sich an Mailinglisten zu beteiligen, oder Ihnen Angst machen, öffentlich Ihre Standpunkte mit anderen zu diskutieren. In den meisten Fällen wird man bei Fehlern, die man macht, höflich darauf hingewiesen. Auch wenn einmal eine kurze und vielleicht zurechtweisende Reaktion kommt, sollte man das ganz locker nehmen und sich einfach in Zukunft noch einmal alles durchlesen, bevor man es abschickt. Also keine Angst!
Die häufigsten Fehler, die mir in Mailinglisten aufgefallen sind, hier am Stück:
administrative Mails (Kommandos) werden an die Liste selbst gesendet
Falls Ihnen das passiert, machen Sie sich auf einige ziemlich unwirsche Reaktionen gefaßt. Es nervt unheimlich, wenn zwischen zwanzig Listenmails jeden Tag 5 "subscribe" oder "unsubscribe"-Nachrichten auftauchen. Teilweise ist das auch Schuld des Listenverwalters, wenn Instruktionen nicht klar genug sind, oder keine Maßnahmen zur Reduktion diese Effekts getroffen werden.
falsches Zitieren (siehe Beispiel)
Antworten an die Liste und zusätzlich an den Autor der Nachricht, die man beantwortet.
Da der andere Mailinglistenteilnehmer die Liste auch bezieht, hat er in der Regel kein Interesse, noch eine Kopie der Nachricht zu bekommen. Zur Vermeidung solcher Probleme gibt es eine Konvention, die den Header Mail-Followup-To benutzt. Hierbei handelt es sich um keinen Standard, dieser Header wird aber schon von vielen Programmen beachtet. Als Sender sollten Sie diesen Header setzen und als Leser beachten.
falsche Formatierung der Texte (überlange Zeilen), vor allem bei Verwendung von Outlook/Outlook Express.
Verwendung verfälschter (nospam) Adressen in Nachrichten
Dadurch wird es oftmals unmöglich oder sehr schwierig, jemandem eine Antwort zukommen zu lassen, ohne diese an die gesamte Liste zu schicken.
Verwendung von 8Bit-Zeichen (Umlauten) im Header
Das betrifft vor allem Nutzer von Netscape. Netscape nimmt in einigen oder allen Versionen keine Kodierung von 8Bit-Zeichen im Header vor. Das führt zu falscher Anzeige bei vielen Nutzern und zu Verfälschungen der Betreffzeilen und damit zur Zerstörung der Thread-Verwaltung in vielen Systemen.
unbeabsichtigtes Senden privater Antworten an die komplette Liste
Dieser Fehler kann ziemlich fatale Folgen haben, vor allem wenn man sich in diesen Mails negativ über andere Listenteilnehmer äußert.
Die Verwendung von Reply-To:-Munging (siehe Link-Seite) fördert das Auftreten solcher peinlicher Fehler.
Erwartung von Privatsphäre
Mailinglisten sind in der Regel öffentlich. Wenn die Teilnehmer nicht handverlesen sind, können Nachrichten aus der Mailingliste immer aus dieser herausgelangen (leaken). Viele Mailinglisten werden in öffentlich zugänglichen Bereichen archiviert (zum Beispiel auf eGroups), wo sie über leistungsfähige Systeme durchsucht werden können. In diesen Archiven können Ihre Nachrichten noch nach Jahren oder sogar Jahrzehnten gelesen werden.
Verwendung von untauglichen Mailprogrammen
Untauglich ist in diesem Zusammenhang als "aus einem proprietären Umfeld kommend und notdürftig angepaßt" zu verstehen.
Das betrifft in der Regel Microsoft- und Netscape-Produkte. Aber auch cCMail, Lotus Notes und andere Systeme sind im SMTP-Bereich oft mangelhaft. Sie transportieren eine andere Mailkultur in das Internet, wobei zum Teil Standards mißachtet oder einfach "neu definiert" werden. Das Problem daran ist, daß viele neue Nutzer mit diesen Programmen arbeiten und sich dann wundern, wenn sie Probleme mit den "alten Hasen" (oder Dinosauriern) bekommen.
Formatierung unter Verwendung von Proportionalschrift
Ausschließliche Verwendung von Groß- oder Kleinschreibung
Großschreibung aller Buchstaben wird als Schreien interpretiert. Mögen Sie jemanden, der dauernd herumschreit?
Ausschließliche Kleinschreibung verhindert flüssiges Lesen, unter Umständen werden Ihre Nachrichten deswegen dann einfach übergangen.
Versenden von HTML- oder RTF-formatierten Mails, wenn die Liste das nicht ausdrücklich gestattet
Anmerkung: Microsoft versteht scheinbar unter RTF auch etwas ganz anderes als der Rest der Welt.
Visitenkarten, ellenlange Signaturen und ähnlicher Schnickschnack
Beantworten uralter Mails ohne Beachtung der danach gelaufenen Diskussionen. Das führt vor allem dazu, daß Flamewars immer wieder angeheizt werden. Vor allem, wenn man eine Offline-Anbindung (z.B. UUCP) hat, oder seinen Mailzugang selten benutzt, muß man sich vor diesem Fehler hüten.
Einspeisen von Binärdateien in die Liste, wenn ein Nutzer danach gefragt hat
hitzige Reaktionen auf Provokationen oder mißliebige Meinungen anderer Teilnehmer
Da gerade das übliche (und sinnvolle) Verfahren für das Zitieren bei den neuen Nutzern sehr oft nicht angewendet wird, folgen hier je ein Beispiel für korrektes und falsches Zitieren.
Die Adressen und Namen sind mit XXXX überschrieben, um die Identität der Autoren nicht offenzulegen. Das verwendete Kennzeichen für Zitatzeilen (Quote-Zeichen) ist das Größer als mit nachgestelltem Leerzeichen ("> ").
korrektes Zitieren:
Subject: Schulsystem (was: unsere Schulprobleme)
XXXXXX schrieb:
> vielleicht ist ja auch an unserem Schulsystem etwas falsch
Ja, das Hauptproblem ist wohl, dass es zwar viele Moeglichkeiten
fuer Schueler mit Leistungsproblemen gibt, "Hochbegabte" aber
kaum Moeglichkeiten haben entsprechend ihrer Faehigkeiten gefoerdert
zu werden. Die Durchschnittsschule foerdert den Durchschnitt.
In welchen Staedten gibt es denn ueberall Schulen fuer
Hochbegabte? Hat jemand eine Liste?
Gruesse, XXXXXX.
Was ist hier zu beachten? Zunächst schauen Sie sich bitte die Betreffzeile an. Ein ursprünglicher Betreff "unsere Schulprobleme" wurde in "Schulsystem" abgeändert, um eine Verlagerung des Diskussionsthemas deutlich zu machen. Damit die Änderung zu erkennen ist, und ein Bezug zu der vorherigen Diskussion erkennbar wird, wurde der alte Betreff noch entsprechend der weiter oben erwähnten Konvention mitgeführt.
In der ersten Zeile des Textes wird angegeben auf wessen Mail man sich hier bezieht - achten Sie aber immer darauf, Zitate nicht einem völlig Unbeteiligten unterzuschieben!
Die nächste Zeile ist ein Zitat aus der anderen Mail, auf die mit der aktuellen Mail geantwortet wird. Hierbei wurde nur die Kernaussage der ursprünglichen Mail stehengelassen, um einen richtigen Kontext für den eigenen Text herzustellen.
Hier das Gegenbeispiel mit falschem (aber leider sehr üblichem) Zitieren:
Subject: Re: Deutscher Meister
fussball ist sicher nicht jedermanns sache. meine nicht.
solang irgendwer meint ermüsse der welt einmal im jahr zeigen wie glücklich er ist,
so soll er doch......
vielleicht kommt sowas jetzt nicht mehr. generell kann bei sowas aber ein
"aussperren" nicht die lösung sein.
liebe "schwachmatten": bitte nicht mehr DANKE
XX
XXXXX@db.com schrieb:
> An Alle !
>
> Ich moechte vorschlagen, dass solche Schwachmaten (entschuldigt bitte
> den Ausdruck) aus der Mailingliste gestrichen werden. Sie haben hier
> nichts zu suchen.
>
> Bis denn
>
> XXXXXXX
>
> ______________________________ Reply Separator _________________________________
> Subject: Deutscher Meister
> Author: XXXXXXX (XXXXX@Fh-Worms.DE) at nyc-mime
> Date: 5/3/98 3:09 AM
>
>
> *
Welche Fehler wurden hier gemacht?
Zunächst hat der Ursprungsautor seiner zwar verständlichen, in einer Taucher-Mailingliste aber völlig unangebrachten Freude über den Sieg irgendeiner Fußballmannschaft Ausdruck verliehen. Er hat sich also nicht an das Thema der Liste gehalten (eine Offtopic-Mail versandt).
Dadurch fühlte sich nun jemand so gestört, dass er den Ausschluß solcher Leute aus der Liste forderte. Technisch beging er dabei den Fehler, die gesamte Originalmail (inklusive Listen-Footer) noch einmal an die gesamte Liste zu verschicken. Ein krasser Verstoß gegen das korrekte Zitieren und genauso schlimm wie die Ursprungsmail selbst. Zudem ist die Mail sehr provokativ und nicht dazu geeignet, eine sachliche Diskussion in Gang zu setzen oder zu fördern.
Zum Glück hat darauf jemand recht besonnen reagiert und eine Mail versandt, die geeignet ist die Gemüter wieder zu beruhigen. Aber: die Mail wurde komplett in Kleinbuchstaben geschrieben, sie ist also sehr schlecht lesbar. Zudem macht der Autor den gleichen Fehler wie sein Vorgänger, nur mit verdoppelter Wirkung: er schickt beide Mails der Diskussion nochmals komplett an die Liste, wiederum inklusive des von der Mailingliste angefügten Footers.
Das Anhängen von Ursprungsmails an die eigene Mail wird auch top-posting oder bottom-quoting genannt und ist einer der Kardinalfehler, die neue Nutzer im Netz begehen.
Das Problem sind die Unerfahrenheit der Nutzer und die Verfahren der verwendeten Mailprogramme. Gute Internet-taugliche Programme weisen den Nutzer darauf hin, wenn er zu lange Zeilen benutzt oder der Anteil seiner Zitate im Verhältnis zu seinem eigenen Text zu hoch ist. Die "modernen" Programme scheren sich nicht darum. Älteren Versionen von Outlook konnte man zum Beispiel nicht einmal beibringen, daß Zitate üblichereise mit einem vorangestellten ">" markiert werden. Viele "neuere" Mailprogramme setzen einfach die komplette Ursprungsmail unter den Text des Nutzers. In einer Liste habe ich einmal eine Mail gesehen, in der vierzehn(!) zitierte Mails komplett untereinandergehängt waren!
Manche Programme nehmen auch gar keine Markierung der Zitate vor, so daß es ohne Kenntnis der Ursprungsmail gar nicht mehr feststellbar ist, welcher Nutzer welche Teile geschrieben hat und wer eigentlich auf wen eingeht. Das Resultat: Verwirrung pur!
Zumindest für das weit verbreitete Programm Outlook Express, das mit jedem Windows-Rechner ausgeliefert wird, gibt es Abhilfe: das von Dominik Jain geschriebene Freeware-Addon OE-Quotefix. Jedem Benutzer von Outlook Express, der sich an Mailinglisten beteiligt, empfehle ich den Einsatz dieser Software.
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Lösung technischer Probleme
Technische Probleme kann es bei Mailinglisten immer wieder geben. In der Regel ist es am besten, jemanden zu fragen, der sich damit auskennt und wenigstens Mail-Header analysieren kann.
Sollte sich niemand finden, der die nötige Sachkenntnis besitzt, kann man sich in der Regel an den Listenverwalter wenden (siehe "übliche Steuerungsadressen" weiter oben). In den meisten Fällen kann dieser weiterhelfen.
Sollte auch das nicht gehen, weil der Listenverwalter zum Beispiel für drei Wochen im Urlaub ist, können Sie sich an ein Mitglied der Mailingliste wenden, dem Sie die technische Kompetenz am ehesten zutrauen. Bitte achten Sie darauf, daß Sie technische Fragen zur Liste nicht an die Liste selber richten. Anderenfalls werden Sie sich vor Beschwerden nicht retten können, im besten Fall werden Sie einfach von allen ignoriert.
Literatur zu Mailinglisten und Email
Ich habe bei amazon.de einige Titel zusammengestellt, die Ihnen vielleicht weiterhelfen.
Ich würde mich freuen, wenn Sie mir Ihre Meinung zu den einzelnen Titeln schicken.
Professionelle E-Mails. Schreiben, Text, Gestalten und Verwalten.
von Nancy und Tom Flynn
Aus einer Rezension von bernhard@possert.at:
Guter Einstieg - wenig Tiefe
Dieses Buch bietet einen guten Einstieg für Menschen, die sich mit E-mails vertraut machen wollen und die wichtigsten Fallen umgehen wollen. Wer sich (wie ich) tiefergehende Strategien erwartet hat, wird wohl enttäuscht werden.
Permission-Based E-Mail Marketing That Works!
von Kim MacPherson
Noch nicht selbst gelesen - das Thema ist aber scheinbar von der richtigen Ecke angepackt.
Marketing With Email : A Spam-Free Guide to Increasing Awareness, Building Loyalty, and Increasing Sales by Using the Internet's Most Powerful Tool
von Shannon Kinnard
Aus einer Rezension von Klaus Arnhold:
Ein Muss für jeden Online Marketer
Obwohl ich schon seit längerem mit dem Thema eMail Marketing befaßt bin und die in dem Buch aufgeführten Punkte für mich kein Neuland sind, ist es trotzdem eine große Hilfe bei der täglichen Arbeit.
Auch dem Neuling bietet das Buch in verständlicher Weise eine Zusammenfassung alles dessen, was man als Marketer in diesem sehr sensiblen Bereich beachten muß. Unbedingt empfehlenswert.
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